Der Haarzyklus: Die Wachstumsphasen unserer Haare

Mit dem Wachstum unserer Haare beschäftigen wir uns meist nur, wenn wir von Haarausfall betroffen sind. Dabei gibt es einiges über den Haarzyklus zu kennen. Er verläuft in verschiedenen Phasen. Das Wissen um diese, verhilft zu einem besseren Verständnis, warum es zu Haarausfall kommt. Es bildet zudem die wissenschaftliche Basis, wie sich die Kopfhaare ggf. wieder vermehren lassen.

Der Haarwuchszyklus

Wie viel Haarausfall ist normal und ab wann wird es kritisch?

Wir verlieren ständig Haare. Was beim morgendlichen Kämmen leicht zu erkennen ist. Unter normalen Umständen, wachsen diese jedoch in gleicher Menge wieder nach. Haben unsere Haarwurzeln alle Wachstumsphasen durchlaufen, sind mehrere Jahre vergangen. Kann unser Körper dabei nicht dieselbe Menge nachbilden, kommt es schrittweise zu sichtbarem Haarausfall.

Pro Tag ist es dabei nicht ungewöhnlich, wenn wir um die 100 Haare verlieren. Wer sich sorgen um deinen drohenden Haarausfall macht, kann gerne einmal nachzählen (so gut es geht). Doch darüber hinaus wird es ggf. kritisch. Sofern sich dies an mehreren Tagen in Folge wiederholt.

Die 3 Wachstumsphasen unserer Haare

Das Wachstum unserer Haare geschieht nach einem festgelegten Ablauf. Dabei lassen sich drei Phasen definieren, in denen unterschiedliche Aufgaben anstehen. Die Dauer der einzelnen Wachstumsphasen variiert jedes Mal sowie von Mensch zu Mensch. Was bei Haarausfall auch wenig relevant ist - Hauptsache alle Phasen finden nach wie vor statt.

1. Die eigentliche Wachstumsphase der Haare (Anagenphase)

Am Anfang steht selbstverständlich der Ursprung des Haarwachstums. In der Forschung ist dieser Zeitabschnitt als sogenannte Anagenphase bekannt. Die Follikel in der Kopfhaut bilden sich aus. Sie legen in Länge und Dicke zu.

Der Großteil unserer aktuell bestehenden Haare befindet sich im steten Wachstum. Für jeden Haarfollikel wird dabei eine Zeitspanne von bis zu 5 Jahren angesetzt. Sollte die Anagenphase kürzer als 3 Jahre ausfallen, kann dies eine Anzeichen für eine Störung im Haarzyklus sein. Doch nicht nur der sichtbare Teil unserer Haare entwickelt sich in der Anagenphase weiter. Ebenso verankert sich deren Basis, die Haarzwiebel, immer tiefer in der Kopfhaut (speziell der Dermis).

2. Unsere Haare in der Übergangsphase (Katagenphase)

An die Anagenphase anschließend, kommt es zu strukturellen Veränderungen in den Haaren. Ein Abflachen der Zellteilung führt dazu, dass die Haarwurzel nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. Damit die Kopfhaut trotzdem weiterhin mit Haaren bedeckt bleibt, befindet sich stets nur ein Bruchteil von ihnen in dieser Phase. Nach gerade einmal etwa zwei Wochen gilt die Katagenphase als beendet. Die Haarwurzel ist dann „verhornt“ und tritt in die dritte Phase über.

3. Gewollter Haarausfall in der Telogenphase (Ruhephase)

Da die Follikel samt ihren Haarwurzeln nun ihre Wachstumsphase beendet haben, kommt es zum Austausch. Während der Telogenphase stellt sich das Haarwachstum auf Regeneration ein. Dazu ist es notwendig, die nicht mehr mit Nährstoffen versorgten Haare abzustoßen. Ähnlich unseren Milchzähnen, schieben die neuen Haare die alte Kopfbedeckung aus dem Follikel heraus. Anschließend an die Telogenphase beginnt das neue Haar wiederum mit seiner Wachstumsphase.

Wann lohnt sich der Arztbesuch bei Haarausfall?

Wie bereits erwähnt, ist es völlig normal, dass wir täglich ein paar Dutzend Kopfhaare verlieren. Ein Resultat der Wachstumsphase, welche unweigerlich die Abstoßung alter Haare (Telogenphase) beinhaltet. Doch wie erkennen wir, wann es tatsächlich kritisch wird.

Häufig lautet die Empfehlung, seine „Haare zu zählen“. Nicht für mehrere Monate, aber wenigsten ein paar Tage am Stück. Die Haarfollikel lassen sich dabei wie folgt auf die Probe stellen:

  1. Einmal ganz regulär die Haare waschen und trocknen lassen.
  2. Am Tag darauf den Kopf über dem Waschbecken oder der Badewanne halten. Die Haare nun gründlich kämmen.
  3. Alle im Becken befindlichen Haare aufsammeln und irgendwo verwahren (Briefumschlag, Box o.Ä.).
  4. Zwei Tage warten, um die Haare erneut auszubürsten und in einem zweiten Behälter sammeln.
  5. Dieselbe Stichprobe wieder zwei Tage danach aufnehmen. Zwischen den Tagen die Haare nach Möglichkeit nicht waschen und kämmen!

Nun kommt es darauf an, welches Resultat sich aus diesem Experiment ergibt. Sollte beim Haarzyklus alles regulär ablaufen, werden die ausgefallenen Haare von Tag zu Tag weniger. Bleibt die Anzahl der Haare dagegen gleich oder wird sogar mehr, ist ärztlicher Rat einzuholen. Es deutet zumindest darauf hin, dass ein akuter Haarausfall im Gange ist. Eine konkrete Diagnose sollte jedoch ein damit erfahrener Mediziner stellen.

Typische Untersuchungen für einen professionellen Befund

Probleme mit den Haaren auf der Kopfhaut und mit dem Bart, wenden sich in aller Regel Hautärzte (Dermatologen) zu. Sie können nach entsprechenden Untersuchungen einen fachkundigen Befund stellen. Denn bei einem potentiellen Haarausfall sollte man sich nicht auf eine reine Zählung der Haare verlassen.

Das Trichogramm & die Gesundheit des Haarzyklus

Beginnen wird der Hautarzt meistens mit einem Trichogramm. Hierbei untersucht er das Aussehen der Haarwurzeln. Um festzustellen, in welchem Haarzyklus sich die einzelnen Follikel gerade befinden. Somit kann er feststellen, ob ein fortschreitender Haarverlust besteht.

Für ein Trichogramm entnimmt der Mediziner einige Dutzend Haare, welche er professionell epiliert. Diese kann er sich dann unter dem Mikroskop ansehen. Mit Hilfe dieser Stichprobe kann er analysieren, ob ein regulärer Haarzyklus besteht. In dem Fall würden rund 80% in der Anagenphase stecken, etwa 1% in der Katagenphase verweilen und bis zu 20% in der Ruhephase (Telogenphase).

Wichtig für ein erfolgreiches Trichogramm: Die Haare sollten etwa fünf Tage zuvor das letzte Mal gewaschen worden sein. Haarfärbungen sollten zwei Wochen oder länger zurückliegen. Andernfalls könnte das Ergebnis vom Trichogramm verfälscht werden.

TrichoScan: Bestimmung der Haardichte & Haarwurzel-Gesundheit

Wer kein Epilieren seiner Haare wünscht, der kann auf ein weiteres Verfahren zurückgreifen. Beim TrichoScan geht es um die Untersuchung der Haardichte sowie der Haarwurzeln. Stattdessen wird ein bis zu zwei Zentimeter großer Bereich der Kopfhaut abrasiert. Wohlgemerkt dort, wo sich die Fehlstelle bei Frauen und Männern leicht verdecken lässt.

Anschließend kommt ein spezieller Farbstoff zum Einsatz, welcher das rasierte Areal einfärbt. Was wichtig ist, damit eine bessere Aufnahme der Kopfhaut gelingt. Die starke Vergrößerung erfolgt unter einem digitalen Mikroskop. Alle Aufnahmen werden an den beistehenden Computer geschickt, auf dem eine Software zur Berechnung der Haardichte erfolgt.

Auch hier gilt es den Zyklus der Haare zu prüfen. Die Momentaufnahme wird mit dem Wachstum nach wenigen Tagen verglichen. Um zu checken, ob sich die erhofften ca. 80% in der Anagenphase befinden. Im Gegensatz zum Trichogramm, ist ein TrichoScan schmerzfrei.

Kopfhaut-Biopsie

Heutzutage kommt es äußerst selten vor, dass der Arzt ein Stück der Kopfhaut entnimmt. Bei einer Biopsie entfernt er einen Haarfollikel samt Wurzel. Dafür muss der Kopf zunächst lokal betäubt und die Wunde anschließend versorgt werden. Die entnommene Kopfhaut kommt dann zur Untersuchung unters Mikroskop.

Dabei gilt es festzustellen, wie viele Haarfollikel noch intakt sind. So eine Biopsie ist in der Regel nur notwendig, wenn ernstzunehmende Kopfhauterkrankungen vermutet werden. Die Entnahme ist als letztes Mittel zu verstehen, wenn sich die Ursache anderweitig nicht klären lässt.

Welche Faktoren begünstigen Haarausfall?

Leider gibt es nicht nur eine klare Ursache, warum Haarausfall entsteht. Während der Diagnose ist demnach abzuklären, welcher Ursprung dafür verantwortlich ist. In Frage kommen hierfür unter anderem:

  • Eine stark mangelhafte Ernährung bzw. Unterernährung. Der Körper fährt dabei auf Sparflamme und reduziert sich auf die lebenserhaltenen Funktionen. Wozu die Haare nicht zählen.
  • Wer dauerhaft und intensiv unter Stress steht, kann unter Haarausfall leiden.
  • Ebenso ist es möglich, dass gewisse Medikamente den Haarzyklus stören. Hier hilft ein Blick in den Beipackzettel.
  • Die Diagnose beim Arzt kann aber auch Alopezie bedeuten. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Form des Haarausfalls. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gilt eine Alopezie als nicht heilbar. Therapien können teilweise erfolgreich sein, aber nur so lange wie sie für die Alopezie angewendet werden. Vorab ist jedoch zu ergründen, um welche Art von Alopezie es sich handelt.
  • Desweiteren kann der Zyklus unserer Haare bzw. die verschiedenen Phasen durch hormonelle Probleme gestört sein. Frauen scheinen hier meist häufiger betroffen zu sein.
  • Auch Infektionen und Krankheiten können die Zellen unserer Haare negativ beeinflussen. Dieser Haarausfall sollte aber nur temporär bestehen.
  • Wer ein dauerhaft geschwächtes Immunsystem besitzt, kann unter Haarausfall leiden. Eine mögliche Nebenwirkung von Autoimmunerkrankungen.

Eben weil die Ursachen für Haarausfall so vielseitig sind, braucht es eine konkrete Diagnose durch den Dermatologen. Nur so kann eine angemessene Behandlung bzw. Therapie eingeleitet werden.

Fazit zum menschlichen Haarzyklus

Mit den verschiedenen Phasen unserer Haare wird deutlich, wie vergänglich unser Körper in gewisser Weise ist. Das Haarwachstum erfolgt im Normalfall durchgehen, sodass ihre Übergangsphase sowie die anschließende Ruhephase nicht bemerkt werden. Doch der Zyklus kann durch eine Reihe von Einflüssen gestört werden. Sollte der Haarausfall darüber hinaus anhalten, ist ärztlicher Rat aufzusuchen. Dieser stellt mit Hilfe spezieller Verfahren fest, warum sich seit Wochen oder gar Monaten keine Haarfollikel nachbilden wollen.

Ob dem Haarausfall entgegen gewirkt werden kann, lässt sich pauschal nicht beantworten. Dafür ist die Ausgangslage der Patienten zu verschieden. Ebenso kommen immer neue Produkte und Therapien auf den Markt, welche Erfolgspotential besitzen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen von Betroffenen?

Rund um den Haarzyklus bzw. Haarausfall werden einige Fragen besonders häufig gestellt. Diese wollen wir abschließend noch beantworten.

Was sind Telogene und Anagene?

Telogene bzw. Telogenhaare befinden sich in der Ruhephase, welche bis zu vier Monate andauern kann. Am Ende der Telogen-Phase kommt es zur Abstoßung der alten Haare durch nachwachsende Follikel. Dann beginnt wieder die Wachstumsphase. Ab dann bezeichnet man die Haare als Anagene, welche mehrere Jahre lang wachsen.

Wie lässt sich das eigene Haarwachstum beschleunigen?

Grundsätzlich legt unser Körper fest, wie lange die einzelnen Phasen des Haarzyklus andauern. Dafür werden aber stets geschätzte Zeitspannen angegeben, da bei jedem das Haarwachstum individuell verläuft. Zu einer beschleunigten Bildung neuer Kopfhaare kommt es ggf. durch häufigeres bürsten dieser. Massagen der Kopfhaut fördern die Durchblutung und regen somit das Haarwachstum an. Hilfreich sind unter Umständen auch koffeinhaltige Shampoos und eine angepasste Ernährung.

Was bezeichnet die Papille bzw. Haarpapille?

Als Papille bezeichnet man in der Anatomie eine kleine, rundliche Erhebung in der Haut. Einen solches Knötchen stellt bspw. die Haarpapille dar. Sie sitzt in der Haarzwiebel und zwischen dieser und der Papille werden stets neue Zellen gebildet. Von hier entstehen also neue Haare.

Was ist der Haarschaft und welche Funktion übernimmt er?

Der Haarschaft (Scapus) sitzt im Haarfollikel. An dessen einem Ende sitzt das Haar in der Haarwurzel. Einfacher ausgedrückt, bezeichnet den Haarschaft alles, was über die Hautoberfläche hinaus ragt. Seine Farbe wird vorrangig durch Melanin bestimmt.

Wer ist häufiger von Haarausfall betroffen: Männer oder Frauen?

Für eine genaue Unterscheidung müssten wir alle Ursachen zusammen rechnen. Bspw. kommt die erblich bedingte Alopezie bei Männern deutlich häufiger vor. Frauen verlieren ihre Haare ggf. häufiger durch ein zu hohes Maß an Stress. Laut dem Bundeverband der Zweithaar-Spezialisten e.V. sind etwa 40% aller Männer und 20% der Frauen von akutem Haarausfall betroffen.