Das Terminalhaar

Der Körper des Menschen ist voll von Haaren. Manche davon können wir besser sehen als andere. Doch alle haben eines gemeinsam: Sie zählen als Terminalhaar - zumindest bei Erwachsenen. Höchste Zeit für eine kleine Führung durch die Haarkunde. Denn das Terminalhaar ist nicht allein und dennoch sehr prägnant.

Das Terminalhaar

Die Haartypen: Terminalhaar, Vellushaar & Lanugohaar

Haare sind einfach Haare, oder doch nicht? Tatsächlich verändert sich unsere Körperbehaarung im Laufe der Zeit. In der Wissenschaft wurden dazu drei Haartypen definiert.

Lanugohaar: Schon bei der Geburt stellen wir fest, dass der Körper des Neugeborenen mit feinen Haaren überzogen ist. Dieses wird Lanugohaar (Wollhaar) genannt. Babys bilden dies ab der 13. Schwangerschaftswoche in Mamas Bauch aus. Jedem Lanugohaar ist eine Talgdrüse angeschlossen, welche die Käseschmiere produziert. Dank dem Lanugohaar bleibt diese Substanz am Körper hängen und erleichtert die Geburt. Tatsächlich ist das Lanugohaar ebenso in der Lage, den Fötus vor Schall und Druck zu schützen. Seine Haut kann deshalb auch nicht vom Fruchtwasser aufgeweicht werden.

Vellushaar: Ebenfalls unter der Bezeichnung Flaumhaar bekannt. Ab dem 6. Lebensmonat kommt es zum schrittweisen Austausch vom Lanugohaar durch das Vellushaar. In Länge und Dicke zeigt es sich ein wenig größer ausgeprägt. Aufgrund seiner Entwicklung, besitzt das Flaumhaar noch keine starke Pigmentierung. Die Umwandlung in das spätere Terminalhaar nimmt nicht nur einige Monate, sondern Jahre in Anspruch. Entscheidend ist dabei vor allem die Pubertät. Männer wandeln dann ihr Vellushaar fast vollständig um - bei Frauen betrifft dies nur knapp die Hälfte der Körperbehaarung.

Terminalhaar: Beim erwachsenen Menschen bilden sich diese Haare über den gesamten Körper aus. Als Terminalhaar versteht die Wissenschaft das vollständig pigmentierte Haar. Gegenüber den anderen zwei Haartypen, ist es dicker und widerstandsfähiger. Ob Augenbrauen, Kopfhaar oder Bart: Terminalhaare stellen die vollendete Entwicklung dar. Jedoch sind sie nur von temporärer Dauer.

Das Terminalhaar und die Wachstumsphase

Während Lanugohaar und Vellushaar nur für eine bestimmte Zeit unsere Körperbehaarung ausmachen, erfolgt beim Terminalhaar ein konstanter Wechsel. Ein dreistufiger Haarzyklus sorgt dafür, dass die Haare regelmäßig ausgetauscht werden.

Männer wie Frauen durchlaufen diesen Prozess regelmäßig. Allerdings bemerken wir davon nicht viel, weil sich die meisten Haare in der Wachstumsphase (Anagenphase) befinden. Lediglich ein kleiner Teil steckt in der Übergangsphase (Katagenphase) oder Ruhephase (Telogenphase).

Sinn und Zweck ist es, die neu gebildeten Zellen regelmäßig auszutauschen. Der natürlich bedingte Haarausfall lässt sich somit nicht verhindern. Wir Menschen benötigen diesen „Fellwechsel“ ebenso wie die Tiere.

Der Aufbau vom Haarschaft

Was wir oberhalb der Haut vom Terminalhaar sehen, wird als Haarschaft bezeichnet. Dieser unterteilt sich in vier Sektionen. Nachfolgend beschreiben wir sie von außen nach innen.

Schuppenschicht (Cuticula): Jener Teil, welche wir beim Betrachten unserer Haare sehen. Die Cuticula steht an vorderster Front, wenn es darum geht, äußere Einflüsse abzuwehren. Bspw. Sonnenlicht oder Kälte. Auf der Cuticula sitzt ein feiner Fettfilm jener Talgdrüse, welche nahe der Haarwurzel und dem Follikel sitzt.

Intrazellulärer Zement: Unterhalb der Cuticula finden wir den „Zement“. Welcher so bezeichnet wird, weil unsere Haare durch ihn eine hohe Festigkeit erhalten. Eine Mischung aus Kohlenhydraten, Fettsäuren sowie Ceramiden. Der Zement dient als zweite Schutzschicht, damit das Keratin darunter keine Feuchtigkeit verliert.

Faserschicht (Cortex): Im weiteren Aufbau der Haare kommen wir nun zum größten Volumengeber. Die Faserschicht basiert auf hunderten von Zellen (Mikrofibrille), welche sich mittels Keratin verbinden. Dieses ermöglicht das Speichern von Feuchtigkeit, damit der Haarschaft geschmeidig bleibt.

Haarmark (Medulla): Das Innere vom Haarschaft wird von einer feinen Bahn durchzogen, welche winzige Gasblasen enthält. Jedoch besitzen nur die dicksten Hornfäden das Haarmark. Je mehr Gasblasen sich darin ansammeln, desto weniger sind die Haare pigmentiert. Besser gesagt, sie nehmen eine graue bis weiße Farbe an.

Wie werden unsere Haare pigmentiert?

Beim Terminalhaar kommt es auf das Mischungsverhältnis vom Melanin an. Unsere Haarpapille fügt mit der Haarmatrix das Eumelanin (schwarz-braun) und Phäomelanin (rot) hinzu. Es ist also schon unter der Haut geklärt, wie der spätere Haarschaft pigmentiert sein wird. Viel Phäomelanin sorgt für eine rote Färbung. Ein Übermaß an Eumelanin sorgt hingegen für brünette oder schwarze Haare. Dazwischen liegen zahlreiche Nuancen.

Zählen Wimpern auch zu den Haaren?

Ja! Wimpern basieren ebenfalls auf Keratin und sind, wie das Terminalhaar, mit Talgdrüsen ausgestattet. Allerdings unterliegen sie nicht dem normalen Haarzyklus. Sie fallen zwei- bis dreimal im Jahr aus. Unsere Wimpern werden vom Körper also häufiger ausgetauscht als das Terminalhaar.

Was braucht es, um ein Terminalhaar zu entwickeln?

Ob als Kopfhaar, Barthaar oder Beinhaar: Was sich unter der Haut verbirgt, ist immer dasselbe. Von außen betrachtet, sehen wir zunächst das Follikel. Es fungiert als Trennung zwischen der Haarfabrik und dem Bindegewebe. Ganz unten im Haarfollikel finden wir die Papille. Sie erhält die notwendigen Nährstoffe über Blutgefäße, welche zur Bildung neuer Zellen benötigt werden.

Mit der Haarpapille ist die Haarwurzel verbunden. Zwischen ihnen liegt die Matrix. Sie enthält den Bauplan für neue Hornfäden. Der gesamte Verbund, bis zu den Anfängen der Haarwurzel, wird als Haarzwiebel bezeichnet. Noch in der Haut bildet sich der Haarschaft aus und erhält von der Talgdrüse eine schützende Schicht. Haare bestehen vorrangig aus Horn und Keratin.

Welchen Einfluss nimmt die Pubertät auf unser Terminalhaar?

Wie bereits erwähnt, erhalten wir mit den Jahren unterschiedliche Haartypen. Während das Lanugohaar hauptsächlich für die Geburt gedacht ist, begleitet uns das Vellushaar einige Jahre länger. Während der Pubertät entscheidet der Körper, wie viele Hornfäden sich dann in das endgültige Terminalhaar umwandeln. Bei Frauen bilden diese etwas weniger als die Hälfte der gesamten Körperbehaarung. Weshalb sie, ähnlich der Kinder, über viel weiches und sehr feines Haar verfügen. Jungen bilden während der Pubertät fast ausschließlich Terminalhaare aus. Zeitgleich setzt dann das Bartwachstum ein.

Wie kommt es zum Haarausfall?

Bei den ersten beiden Haartypem in unserem Leben ist der Haarausfall gewollt. Das Terminalhaar löst sich später von der Wurzelscheide nur noch aus zwei Gründen:

  • Wenn die Ruhephase einsetzt, kommt es zum gewollten Haarausfall. Nach etwa drei Monaten des Pausierens, beginnt die Papille im Haarfollikel wieder mit der Bildung neuer Zellen.
  • Kommt es beim Aufbau neuer Haare zu Problemen, wird von einer Alopezie gesprochen. Die Ursachen dafür können krankheitsbedingt sein. Eine falsche Ernährung, erblich bedingter Haarausfall oder die Einnahme bestimmter Medikamente, sind ebenso als Gründe bekannt.

Welche Therapien helfen bei Haarausfall?

Wenn Männer und Frauen vom Haarausfall betroffen sind, führt sie ihre Suche zum Hautarzt. Er kann zunächst untersuchen, was die Alopezie auslöst. Anschließend schlägt er eine geeignete Behandlung vor. Bei Therapien ist zu wissen, dass sie fast immer nur während der Anwendung einen sichtbaren Erfolg verzeichnen. Ob die Therapie, ohne ernste Nebenwirkungen, ein ganzes Leben lang fortgeführt werden kann, ist im Einzelfall zu entscheiden. Diese Aussage zu treffen, ist die Entscheidung des Arztes.

Fazit zum Terminalhaar

Unter den verschiedenen Haartypen stellt es die bleibende Variante dar. Während das Lanugohaar nur wenige Monate bestehen bleibt, verweilt das Terminalhaar für einige Jahre. Um dann erneut im Follikel gebildet zu werden.

Das Terminalhaar stellt die dauerhafte Köperbehaarung dar, welche sich während der Wachstumsphase neu erschafft. Der Wechsel vom Vellushaar zum Terminalhaar findet um die Pubertät herum statt. Davon sind nicht nur unsere Kopfhaare betroffen. Ebenso Wimpern, Augenbrauen und der Bart bei Männern beginnen sich stärker auszuprägen, wenn die Pubertät einsetzt.

Sein Aufbau ist dabei stets derselbe, mit Ausnahme vom Haarmark. Dieses kommt nur in den dicken Haaren vor. Die restlichen Haartypen verlieren mit der Zeit an Bedeutung. Zumindest bei den Männern, denn bei erwachsenen Frauen macht das Vellushaar immerhin knapp die Hälfte der Körperbehaarung aus.